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Die Frage von Lisbeth an Liliane Gut, Redaktorin der Zeitschrift Bonsaikunst des VSB: "Was fasziniert Dich an der Technik des Abmoosens und welche Erfahrungen hast Du bisher damit gemacht?"

Mit den ersten Abmoosversuchen habe ich bereits in den ersten Jahren meines Bonsaihobbys begonnen. Woher die Anregung kam, weiss ich nicht mehr so genau.

Da ich zu der Zeit ausschliesslich mit gefundenen jungen Pflanzen aus der nahen Umgebung arbeitete, war diese Möglichkeit äusserst vielversprechend. So startet man nämlich mit bereits gereifterem, dickerem Material und musste anschliessend eigentlich «nur» an der Verzweigung arbeiten. In der Hecke beim Haus meiner Mutter entdeckte ich interessante Äste einer Hainbuche und eines Hartriegels, bei denen ich einen Rindenstreifen wegschnitt und sie dann anfänglich mit normalem Moos «einpackte». Bei mir zuhause machte ich einen Versuch an einem Pfaffenhütchen im Garten. Bei zwei der drei gelang es, bei der Hainbuche war ich zu ungeduldig und entfernte die Abmoosung zu früh. Später wendete ich die Methode vor allem an, um das Bonsaimaterial zu verbessern oder auch um weitere Pflanzen einer besondere Art zu erhalten. So startete ich einen Versuch an einem Fächerahorn der drei Äste auf gleicher Höhe hatte und ein unbefriedigendes Nebari. Vielleicht könnte ja ein Dreistämmer daraus entstehen. Nachdem ich der Pflanze im Frühling an der gewünschten Stelle ein Moospaket verpasst hatte, waren aber bis zum Herbst von aussen noch keine Wurzeln zu sehen. Ich öffnete die Moospackung, entdeckte aber ebenfalls keine Wurzeln. Enttäuscht liess ich den Ahorn mit geöffnetem Moospaket stehen, denn mit der Pflanze würde man so nichts mehr anfangen können.

Umso grösser war die Überraschung im nächsten Frühling, als ich mir die Pflanze ohne viel Hoffnung noch einmal ansah. Tatsächlich hatten sich nun doch noch Wurzeln gebildet und ich konnte die Pflanze jetzt vorsichtig eintopfen (Foto 1).

Gute Erfahrungen habe ich unter anderen mit chinesischem Wacholder (Foto 2), Rotbuche, Hainbuche, Linde, japanische Pflaume (Blutpflaume) und Ulme gemacht. An manchen Pflanzen habe ich gleich an mehreren Stellen Abmoosungen angebracht. Bei einer Ulme, die denkbar schlechte Voraussetzungen zum Bonsai hatte, mooste ich erst die Spitze ab, die einen imposanten Shôhin (Foto 3) abgibt und später dann weiter unten ein Nest von Seitenästen, die an derselben Stelle gewachsen waren und sich der Stamm bereits verdickt hatte. Daraus entstand ein aussergewöhnlicher Mehrstämmer mit «Schildkrötenpanzer». Bei einer grossen Linde mit ca. 8 cm Stammdurchmesser ging ich anders vor. Ich schnitt den Rindenstreifen gleich über dem schlechten Wurzelansatz weg und brachte einen Plastikblumentopf an, den ich mit Akadama auffüllte. Bereits im Herbst konnte ich den Baum absägen und neu eintopfen.

Abmoosen ist eine tolle und unglaublich vielseitige Möglichkeit spannendes Material zu erhalten oder Vorhandenes zu verbessern, die man unbedingt ausprobieren sollte – vor allem auch für Shôhin. Natürlich kann man, bevor man abmoost, die Äste bereits in den Jahren zuvor in die gewünschte Form bringen. Idealerweise sucht man sich Abmoosungen in der Nähe, so kann man sie regelmässig kontrollieren.

Wichtig ist dabei, nur kräftige und gesunde Pflanzen abzumoosen (vor allem wichtig bei getopften Bäumen) und sie beim Eintopfen unbedingt gut zu fixieren. Das ist manchmal etwas knifflig, da man ja noch keinen Wurzelballen hat. Manchmal kann man die flache Sägestelle unter der Abmoosung einfach auf den Topfboden stellen und die Pflanze dann mit Schnur oder Draht an der Schale fixieren, so dass sie absolut festsitzt. Wenn der Baum dann nach ein oder zwei Jahren zum ersten Mal umgetopft wird, entfernt man den Stammstummel bis zum Wurzelansatz. Es empfiehlt sich, den Baum nach der Abmoosung in kürzeren Abständen umzutopfen, denn so entsteht schnell ein Wurzelballen mit vielen feinen Wurzeln. Auch die Wurzeln des Nebaris kann man so von Anfang an gestalten.

1. Abgemooster 3-stämmiger Fächerahorn in Entwicklung. Höhe: 45 cm


2. Eine von mehreren Abmoosungen eines China-Wacholders, dem für die Gestaltung mehrere Äste entfernt werden mussten und vorher abgemoost wurden. Höhe: 23 cm.

3. Abgemooste Spitze einer Feldulme im Shôhin-Format. Höhe: 14 cm.


Die Frage von Liliane an

Oezer Sertel: " Seit Jahren widmest Du Dich nicht nur Bonsai sondern auch Suiseki. Was fasziniert Dich daran und wie bist Du dazu gekommen?"

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