Wege zu einem eigenen Bonsai

Ursprünglich wurden Bonsai aus in den Bergen, gesammelten alten, kleinwüchsig gebliebenen und verknorzten Pflanzen (Yamadori) gestaltet. Diese Art der Pflanzenbeschaffung ist aber heute umstritten, da teilweise regelrecht Raubbau betrieben wurde. Die Überlebenschance der gesammelten Bäume ist recht klein, da ein sehr grosses Wissen und viel Erfahrung nötig sind. In Japan werden daher in Baumschulen onsai-Rohlinge aus Sämlingen gezüchtet die bereits ihre ersten groben Gestaltungsmassnahme erfahren haben. Bei uns ist es üblich Bonsai aus Jungpflanzen zu gestalten. Dazu eignen sich Baumschulpflanzen oder Containerpflanzen aus dem Gartencenter. Auch die Vermehrung durch Stecklinge oder Abmoosen wird häufig angewandt. Das Ziehen von Bonsai aus Samen ist sehr zeitintensiv und benötig daher viel Geduld.

Die Gestaltung der Bonsai geschieht traditionell durch das "Zurückschneiden und Wachsenlassens“, sowie das Formen der Äste durch Spanndrähte. Dazu werden der Stamm, oder die Äste spiralig mit eloxiertem Aluminium- oder weichgeglühtem Kupferdraht umwickelt und vorsichtig in Form gebogen. Um das Grössenwachstum zu regulieren ist das regelmässige Zurückschneiden der Wurzeln wesentlich.

Bei der Bonsaigestaltung helfen uns einzelnen Stilelemente, die sich insbesondere auf die Stammform, die Astanordnung, Feinverzweigung und die passende Schale beziehen. Abweichende Standpunkte in unterschiedlichen Regionen und Epochen führten zu den verschiedenartigen Gestaltungsrichtlinien für Bonsai. Gemeinsam ist ihnen im Allgemeinen, dass ein Bonsai als lebende, dreidimensionale Skulptur, wie ein miniaturisierter freiwachsender Baum auf den Betrachter wirken soll. (Mehr dazu im Kapitel Stilformen.)

Viele exzellente und teure Bonsai weisen nur eine begrenzte Treue zu den strengen Gestaltungsrichtlinien auf, imponieren jedoch durch ihre Einzigartigkeit und Komplexität, was häufig nur ohne Berücksichtigung der Grundregeln möglich ist.

Bonsai haben den Ruf teuer zu sein. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Oftmals wird gemeint, ein guter Bonsai müsse sehr alt sein. Damit ein Bonsai eine gewisse Grösse und eine entsprechenden Stammdurchmesser erreicht, benötigt er einige Jahre. Aber durch geschickte Gestaltungsmassnahmen kann dies beschleunigt werden. Auch durch das Sammeln von Bäumen aus alten Hecken und Pflanzentröge erhält man gutes Ausgangsmaterial. Um aus diesen Rohlingen einen Bonsai mit einem schönen Wurzelansatz, einen Stamm mit einer Borke und einen verzweigten Astaufbau zu erhalten, ist einiges an Pflege nötig. Alleine das tägliche Giessen im Sommer und das regelmässige Umtopfen über mehrere Jahre ergibt bereits eine   beträchtliche Anzahl Arbeitsstunden. Für die Erstgestaltung und das Durchdrahten einer ca. 80 cm hohen Kiefer bis in die feinsten Äste benötigt ein Bonsaimeister einen halben bis einen ganzen Tag. Da der Draht wieder entfernt werden muss um das Einwachsen zu verhindern und der Neuaustrieb jährlich neu gedrahtet werden muss, stecken in einem Bonsai nach 5-10 Jahren schnell einmal 100-200 Stunden Arbeit. Dazu kommen Erde, Dünger und Sand sowie die passende Schale. So gesehen ist ein Preis von 5'000.- bis 10'000 Franke wohl viel Geld aber eigentlich angemessen.

Aber es geht auch günstiger. Für eine Containerpflanze zahlt man im Gartencenter 15.- bis 25.- Franken. Eine einfache Schale kostet ebenfalls nur 10.- bis 30.- Fr. Dann benötigt man etwas Bonsaidraht (100 g à 9.- Fr.), Plastikgitter über die Abzugsöffnung (0.35 Fr. pro Stück) und Bonsai-Erde (5 L-Sack à 7.95 Fr). Zusammen macht dies ca. 42.- bis 80.- Fr. für einen selbstgestalteten Bonsai und der Draht und die Erde reichen locker noch für weitere 5 kleine Bonsais. An unseren Klubanlässen helfen wir euch gerne bei eurem ersten eigenen Bonsai.

 Spezialisierte Gartencenter bieten ebenfalls Anfänger-Kurse an. Meistens ist im Kursgeld von 150-250 Fr. die Pflanze und das Material enthalten. (Leider ohne die nötige Hilfe bei der Pflege im Laufe des Jahres.) Oft ist so ein Anfängerkurs der Grundstein für eine lange Liebe zu Bonsai. Bis aus dem frisch gestalteten Baum ein Bonsai mit Charakter wird, vergehen aber dann doch noch ein paar Jahre der Pflege.

Bonsai Kaufen

Wem dies zu lange geht, kann natürlich einen fertig gestalteten Bonsai in einem Gartencenter kaufen. Wir empfehlen Ihnen, kaufen Sie ihren ersten Bonsai in einem ausgewiesenen Bonsai-Fachgeschäft oder direkt von einem erfahrenen Bonsaianer. In unserer Rubrik Bonsai-Markt verkaufen unsere Mitglieder teils altershalber oder aus Platzgründen ihre zum Teil viele Jahre alten Bonsai. Die Bäume sind alle mit viel Liebe über Jahre gepflegt und gehegt worden. Der ehemalige Besitzer kann Ihnen viel Pflegetipps und zum Teil sogar die Geschichte ihres neuen Bonsais mit Fotos etc. mitgeben.

Achten Sie beim Kauf ihres Bonsais auf folgende Punkte:

  1. Lassen Sie sich von geschultem Personal beraten, am besten von jemanden welcher selber Bonsai pflegt.

  2. Wo will ich meinen Bonsai aufstellen? Es wird zwischen Indoor und Outdoor unterschieden.

  3. Aus welchem Klimagebiet kommt mein Bonsai? Nicht alle Bonsais sind Winterhart und benötigen einen angemessenen Schutz im Winter.(z.B. temperiertes Kalthaus)

  4. Stammansatz: Der Stamm sollte nicht wie ein Bleistift aus der Erde wachsen. Die Wurzeln sollten radial um den Stamm angeordnet sein.Ein schlechter Stammansatz kann in der Regel nicht korrigiert werden.

  5. Die Lage des ersten und des zweiten Astes: Der erste Ast sollte der stärkste Ast sein. Er bestimmt im Wesentlichen dem Bonsai. Der Zweite gibt dem Bonsai die Tief, die dritte Dimension, damit der Bonsai nicht wie ein Fischgrat wirkt.

  6. Die Anordnung der Äste am Stamm: Die Äste sollten immer an einer Aussenbiegung des Stammes wachsen.

  7. Das Verhältnis Stamm zu Krone: Es sollte ca. 1/3 zu 2/3 sein. Besser noch im Goldenen Schnitt.

  8. Ist der Draht nirgends eingewachsen? Oftmals benötigt der Bonsai Jahre um Verletzungen von Bonsaidraht zu überwachsen.

  9. Passen die Form, Grösse und Farbe der Schale. Wenn die Schale nicht passt oder die Lage in der Schale falsch ist, ist dies nicht so schlimm, da es beim nächsten Umtopfen geändert werden kann.

  10. Fragen Sie nach speziellen Pflegeanleitungen oder Schädlingen.

Die Punkte 4-8 können oftmals nicht mehr oder nur mit den Jahren korrigiert werden.

Seit einigen Jahren werden in Blumengeschäften, Kaufhäusern und Baumärkten Bonsai angeboten. Dem niedrigen Preis entsprechend weisen diese Bäume in der Regel starke ästhetische Kompromisse auf, z. B.:

  • Um einen starken Stamm zu erreichen, wurde ein Baumschulbaum gekappt und der oberste Ast als Stamm weitergeführt. Bei billigen Exemplaren ist dies unharmonisch ausgeführt; das Astwerk verbirgt kaum die Schnittstelle.

  • Durch zu seltene Nachführung der Drahtung weisen die Äste Einbuchtungen oder gar Narben auf.

  • Es kommt vor, dass Drähte eingewachsen sind.

  • Häufig fehlen stilistische Aspekte, welche für die ästhetisch-natürliche Gesamterscheinung des Bonsai wichtig sind, wie z. B. eine gut überlegte dreidimensionale Astanordnung sowie das Einhalten von Grundproportionen der einzelnen Äste zur Gesamterscheinung des Baumes.

  • Die verwendeten Schalengrößen weichen häufig von den klassischen Vorgaben, wie z. B. „Schalentiefe ungefähr gleich Stammdurchmesser“ ab. Dadurch kann es passieren, dass der Bonsai bei einer überdimensionierten Schale eher wie eine normale Zimmerpflanze wirkt.

  • Bis zum Verkauf werden die Pflanzen oftmals falsch gegossen und die Erde ist ausgewaschen.

  • Für den Transport im Schiffscontainer und der darauffolgenden Quarantäne werden die Pflanzen in torfigem Substrat gepflanzt, damit sie nicht austrocknen. Diese Bonsai müssen sofort umgetopft werden.

Bonsai aus dem Internet

Leider ist die Qualität bei Bonsai im Internet oft nicht besser als im Baumarkt. Ich habe hier teilweise erschreckendes unter dem Namen Bonsai gesehen. Viele Anbieter verkaufen Massenware aus Thailand und Korea. Meistens entspricht das Foto nicht der gekauften Ware. Wobei man sogar froh sein muss, wenn auf dem Foto die richtige Pflanzenart abgebildet ist. Gewisse Anbieter scheuen sich nicht davor, Pflanzensamen als Bonsai zu verkaufen. (Keine Ahnung ob die überhabt noch keimen.) Bei einem Anbieter finden sich wurzelnackte Reiser im Angebot, wie sie beim Forst- oder Gartenbau üblich sind. Besonders Online-Plattformen wie Ebay oder Amazon sind faktisch unbrauchbar. Falls Sie Ihren Bonsai trotzdem im Internet kaufen möchten, gehen Sie auf die Seiten von Bonsai-Gärtnereien, welche den Online-Handel als zweites Standbein anbieten. Hier sind die Bäume natürlich wieder etwas teurer, aber die Pflanzendeklaration ist ehrlich und vom Fachmann. Verlangen Sie ein aktuelles Fotos Ihres ausgesuchten Bonsai. Wenn möglich, zahlen Sie bar oder machen Sie nur eine Anzahlung. So können Sie über den Preis nochmals verhandeln, wenn der Baum nicht dem Foto entspricht.

Viel Spass und Freude mit Ihrem neuen Bonsai.